Erlangen ist eine Medizintechnikstadt, und das MedMuseum erklärt, wie es dazu kam. In einer Maschinenhalle von 1893 zeigt Siemens Healthineers rund 200 Exponate aus der eigenen Firmengeschichte: frühe Röntgentechnik, den ersten Siemens-Computertomographen, Herzschrittmacher und moderne Bildgebung. Der Eintritt ist frei, geöffnet ist werktags von 10 bis 17 Uhr. Wer Technikgeschichte mag, plant eine Stunde ein.
Warum ausgerechnet Erlangen
Die Geschichte beginnt in einer kleinen Werkstatt am Schlossplatz. Dort arbeitete der Mechaniker Erwin Moritz Reiniger, an den heute eine Gedenktafel am Haus Schloßplatz 3 erinnert. Aus seinem Betrieb wurde die Firma Reiniger, Gebbert & Schall, die im späten 19. Jahrhundert elektromedizinische Geräte baute. Mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen 1895 bekam diese Branche ein neues Feld, und genau hier setzt die Ausstellung an.
Später ging die Firma in Siemens auf, und aus diesem Strang entstand die heutige Siemens Healthineers. Erlangen ist bis heute einer der wichtigsten Standorte des Unternehmens.
Das Gebäude: eine Maschinenhalle von 1893
Das Museum sitzt nicht in einem Neubau, sondern in der historischen Maschinenhalle von Reiniger, Gebbert & Schall, fertiggestellt 1893. Seit 2014 ist die Ausstellung hier im Erdgeschoss untergebracht. Das passt, denn die ältesten gezeigten Geräte stammen aus derselben Zeit wie die Halle selbst.
Die Fläche ist mit 400 Quadratmetern überschaubar. Das ist kein Nachteil: Du verlierst dich nicht in endlosen Sälen, sondern kannst die Entwicklung der Medizintechnik in einem einzigen Raum chronologisch nachvollziehen.
Was du in der Ausstellung siehst
Die rund 200 Exponate erzählen die Geschichte der Medizintechnik über etwa 175 Jahre. Einige Höhepunkte:
- Frühe Röntgengeräte aus der Zeit kurz nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen
- Der erste Computertomograph von Siemens aus dem Jahr 1975
- Ein vollständig implantierbarer Herzschrittmacher von 1958
- Stationen zur Entwicklung der Bildgebung bis zu heutigen Verfahren
Neben den Geräten setzt das Museum thematische Schwerpunkte. Es geht etwa um die Geschichte der medizinischen Bildgebung, um Alzheimer-Forschung, um die Entwicklung der Lungenuntersuchung und um die Behandlung von Schlaganfällen. Damit wird klar, wofür die Technik am Ende da ist: für Diagnosen, die vor hundert Jahren nicht möglich waren.
Digitale Lupen und Medienstationen helfen beim Vertiefen. Wer mag, schaut sich Details zu einzelnen Objekten genauer an, wer nur einen Überblick will, kommt auch ohne aus. Zusätzlich bietet das Museum virtuelle Rundgänge an, ebenfalls kostenlos.
So gehst du am besten vor: Fang bei den ältesten Röntgengeräten an und lass dir Zeit für den Sprung zum Computertomographen von 1975. Zwischen beiden liegen achtzig Jahre, und der Größenunterschied der Geräte sagt mehr über den technischen Fortschritt als jede Schautafel. Danach lohnen sich die Themenstationen, weil sie zeigen, was die Technik für Patientinnen und Patienten verändert hat. Wer nur eine halbe Stunde hat, konzentriert sich auf die Bildgebung, das ist der rote Faden der ganzen Ausstellung.
Öffnungszeiten, Eintritt und Führungen
| Was | Details |
|---|---|
| Öffnungszeiten | Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr |
| Geschlossen | Samstag, Sonntag und Feiertage |
| Eintritt | Frei |
| Virtuelle Rundgänge | Kostenlos |
| Führung für Gruppen bis 20 Personen | 90 Euro |
| Aufpreis Führung auf Englisch | 20 Euro |
| Schulklassen und Studierendengruppen | Führung kostenlos |
| Buchung | Per E-Mail an das Museumsteam |
Aktuelle Zeiten vorab beim Betreiber prüfen, vor allem rund um Brückentage und Ferien. Die Informationen zum Besuch stehen auf der Website des MedMuseums.
Ein Punkt, der viele Wochenendbesucher überrascht: Samstags und sonntags ist zu. Wenn du Erlangen nur am Wochenende besuchst, musst du das MedMuseum also auf einen anderen Tag legen oder ein anderes Museum wählen.
Anfahrt
Das Museum liegt an der Gebbertstraße 1, südlich der Innenstadt. Vom Hauptbahnhof fahren die Buslinien 208, 209, 210, 252, 254, 284, 285 und 293 zur Haltestelle Zollhaus, das Museum liegt direkt gegenüber. Verbindungen findest du in der Fahrplanauskunft unter vgn.de.
Wer lieber läuft, kommt von der Innenstadt aus ebenfalls gut hin, braucht aber etwas länger als mit dem Bus. Hinweise zu Parkhäusern, Zug und Park and Ride stehen auf der Seite Anreise und Parken.
Barrierefreiheit und Besuch mit Kindern
Die Ausstellung ist für Menschen im Rollstuhl und mit Gehbehinderung gut zugänglich, ein rollstuhlgerechtes WC ist vorhanden. Da alles auf einer Ebene im Erdgeschoss liegt, ist auch ein Kinderwagen kein Problem.
Für Kinder im Grundschulalter ist das Museum eher etwas, wenn sie sich ohnehin für Technik interessieren. Ab etwa zehn Jahren funktioniert es meist gut, besonders mit den Medienstationen. Für jüngere Kinder ist das Walderlebniszentrum Tennenlohe im Süden der Stadt die bessere Wahl.
Kombinieren: Medizintechnik und Stadtgeschichte an einem Tag
Das MedMuseum lässt sich gut mit der Innenstadt verbinden. Da das Museum nur werktags öffnet und um 17 Uhr schließt, passt es am besten an den Anfang des Tages, der Nachmittag bleibt dann frei für die Altstadt, die Gärten oder einen Kaffee am Schlossplatz. Ein sinnvoller Bogen: vormittags ins Museum, danach zum Markt- und Schlossplatz, wo am Haus Schloßplatz 3 die Tafel für Reinigers Werkstatt hängt. Damit hast du den Anfang und das Ergebnis dieser Firmengeschichte an einem Vormittag gesehen.
Weitere Museen und Ziele findest du bei den Sehenswürdigkeiten in Erlangen. Wer mehrere Tage bleibt, findet eine Übersicht über Hotels und Ferienwohnungen nach Stadtteilen unter Übernachten in Erlangen.
Einen Kritikpunkt sollte man fairerweise nennen: Das MedMuseum ist ein Unternehmensmuseum. Es erzählt die Geschichte aus Sicht der Firma, und Rückschläge oder kontroverse Kapitel stehen nicht im Mittelpunkt. Als Einstieg in die Technikgeschichte der Stadt ist es trotzdem das Beste, was Erlangen zu diesem Thema zu bieten hat.
Quellen
Stand: September 2026

