Wer vom Hauptbahnhof durch die Fußgängerzone läuft, steht nach wenigen Minuten vor einer langen, hellen Barockfassade: dem Markgrafenschloss. Es schließt den Schlossplatz nach Osten ab, und dahinter beginnt der Schlossgarten. Ein Museum mit Prunkräumen erwartet dich hier nicht. Das Gebäude gehört der Friedrich-Alexander-Universität, und genau das macht seine Geschichte interessant: Aus einer Residenz für eine Markgräfin wurde nach einem Großbrand ein Universitätsgebäude.
Für einen Besuch heißt das: Du schaust dir das Schloss von außen an, liest die Fassade, gehst einmal um den Bau herum in den Schlossgarten und verbindest das mit dem Marktplatz. Das passt gut in jeden Stadtbummel und kostet keinen Eintritt.
Baugeschichte: vom Erbprinzenbau zur Elisabethenburg
Der Bau begann im Jahr 1700. Bauherr war zunächst Erbprinz Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth, die Pläne lieferten Antonio della Porta und Jacques Bourdin de la Fond. Als della Porta 1702 starb, übernahm Gottfried von Gedeler die Bauleitung und brachte das Schloss bis 1704 zu Ende.
Dazwischen wechselte der Eigentümer. Markgraf Christian Ernst übernahm den noch unfertigen Bau 1703 und schenkte ihn seiner dritten Frau Elisabeth Sophie. Nach ihr hieß das Schloss eine Zeit lang Elisabethenburg.
Zusammen mit dem Garten, der Orangerie (fertig 1706), der Konkordienkirche und einem Heckentheater entstand so die erste vollständige barocke Anlage in Franken. Der Garten war damals mit rund 280 mal 550 Metern deutlich größer als heute. Wer sich das vorstellen will, sollte im Schlossgarten einmal bis zum Nordrand laufen und zurückschauen: Die Achse vom Schloss in den Park ist noch gut zu lesen.
Zahlen zum Bau
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Bauzeit | 1700 bis 1704 |
| Architekten | Antonio della Porta, Jacques Bourdin de la Fond, Gottfried von Gedeler |
| Breite | rund 65 Meter |
| Tiefe | 20 bis 26 Meter |
| Höhe | rund 21 Meter |
| Brand | 14. Januar 1814 |
| Wiederaufbau | 1821 bis 1825 unter Friedrich Wilhelm Örtel |
| Nutzung seit 1945 | ausschließlich Universität |
Die Witwe und ihr Hof
Ab 1764 lebte Sophie Caroline Marie von Braunschweig-Wolfenbüttel im Schloss, die Witwe des Markgrafen Friedrich. Fast 50 Jahre blieb sie in Erlangen, mit einem Hofstaat von rund 40 Personen. Für eine Stadt dieser Größe war das ein spürbarer Faktor: Handwerker, Lieferanten und Bedienstete lebten vom kleinen Hof am Schlossplatz.
Ihr Tod fällt fast mit dem Ende des Gebäudes in seiner ursprünglichen Form zusammen. Später wohnte sie übrigens noch einige Jahre im Palais Stutterheim am Marktplatz, schräg gegenüber.
Der Brand von 1814
Am 14. Januar 1814 brach auf einem vollgestellten Dachboden ein Feuer aus. Gelöscht werden konnte es nicht, weil bei rund minus 25 Grad das Wasser in den Schläuchen gefror. Das Schloss brannte aus.
Danach stellte sich die Frage, was mit der Ruine geschehen sollte. Die Antwort fiel pragmatisch aus: Von 1821 bis 1825 baute Friedrich Wilhelm Örtel das Gebäude für die Universität wieder auf. Das erklärt, warum die Fassade barock wirkt, das Innere aber kein höfisches Raumprogramm mehr hat. Hinter den Fenstern liegen seit fast 200 Jahren Amtsstuben, Sitzungssäle und Büros.
Das Schloss und die Universität
Die Universität geht auf Markgraf Friedrich zurück, der sie 1742 in Bayreuth gründete und 1743 nach Erlangen verlegte. An ihn erinnert das Markgrafendenkmal direkt vor dem Schloss. König Ludwig I. stiftete es 1843 zum 100-jährigen Bestehen der Universität. Den Entwurf lieferte der Münchner Hofbildhauer Ludwig Schwanthaler, gegossen hat es Johann Baptist Stiglmaier. Der Markgraf steht in Rüstung und Mantel da und hält die Stiftungsurkunde in der Hand. Es gilt als erstes Denkmal in Deutschland, das einem Universitätsgründer gewidmet ist.
Seit 1945 nutzt die FAU das Schloss ausschließlich für ihre Leitung und Verwaltung. Inzwischen sind Präsidium und Verwaltung in ein neues Gebäude in der Freyeslebenstraße 1 umgezogen, weil das Schloss grundlegend saniert werden muss. Die letzte große Sanierung liegt mehr als 60 Jahre zurück. Der Haushaltsausschuss des Bayerischen Landtags hat dafür rund 76 Millionen Euro freigegeben. Geplant sind unter anderem die Beseitigung von Altlasten, Arbeiten am Tragwerk, ein neues Dach, energetische Verbesserungen sowie die Restaurierung der Steinfassade und der Figuren. Die Bauarbeiten sollen ab Ende 2027 beginnen. Danach sollen Präsidium und Teile der Verwaltung wieder in die Innenstadt zurückkehren.
Für dich als Besucher bedeutet das: Rechne in den kommenden Jahren mit Gerüsten und Bauzäunen. Die Fassade kann zeitweise verhüllt sein, der Schlossplatz und der Garten bleiben aber Teil der Innenstadt.
Was du am Schlossplatz sehen kannst
Der Schlossplatz geht ohne sichtbare Grenze in den Marktplatz über. Zusammen bilden sie die große offene Fläche der barocken Neustadt. Dort lohnt ein Blick auf drei Dinge:
- die Schlossfassade mit ihrer Dachbalustrade und den Figuren, die bei der Sanierung restauriert werden sollen
- das Markgrafendenkmal von 1843 direkt vor dem Haupteingang
- den Paulibrunnen auf dem Marktplatz, 1889 von Friedrich Salomon Pauli gestiftet, mit den Figuren Erlangia und Alma Mater
Auf dem Marktplatz findet der Wochenmarkt statt, im Advent nutzt die Stadt den Schlossplatz für ihr Weihnachtsangebot. Was an welchem Wochenende los ist, steht im Veranstaltungskalender für Erlangen.
Rund ums Schloss: Garten, Orangerie und Hugenotten
Geht man links oder rechts am Schloss vorbei, steht man im Schlossgarten. Gleich hinter dem Gebäude liegen der große Hugenottenbrunnen von 1706 und die Orangerie, die Gottfried von Gedeler ebenfalls entworfen hat. Am Nordrand schließt der Botanische Garten an.
Ein kurzer Abstecher nach Westen führt zur Hugenottenkirche, dem ältesten Bau der Neustadt. Dort begann 1686 die Planstadt, die das Schloss erst möglich gemacht hat. Wer Schloss, Garten, Marktplatz und Kirche zusammen ablaufen will, findet eine fertige Strecke unter den Rundgängen durch Erlangen.
Praktisch: Anreise, Zeit und Barrierefreiheit
Vom Hauptbahnhof sind es zu Fuß rund fünf bis zehn Minuten. Du läufst durch die Fußgängerzone nach Osten bis zum Marktplatz und siehst das Schloss am Ende des Platzes. Mit dem Auto lohnt die Fahrt ins Zentrum kaum, die Parkhäuser in der Innenstadt sind aber nah. Der Schlossplatz ist eben und gepflastert, mit Rollstuhl oder Kinderwagen also gut machbar. Das Pflaster ist stellenweise holprig.
Plane 20 bis 30 Minuten für Schloss und Platz ein. Mit Gartenrunde und Pause auf einer der Bänke wird es eine Stunde. Am schönsten wirkt die Fassade am späten Nachmittag, wenn die Sonne von Westen über den Marktplatz auf den Sandstein fällt.
Tipp: Wenn du nur einen Tag in Erlangen hast, verbinde das Schloss mit den übrigen Punkten der Innenstadt aus der Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Erlangen. Die Wege sind kurz, und die meisten Ziele liegen in einem Radius von einem Kilometer.
Noch ein Gedanke für Regentage: Gleich gegenüber am Marktplatz zeigt das Kunstpalais wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. So bleibt der Besuch am Schloss auch dann nicht bei einem schnellen Foto, wenn es draußen ungemütlich wird.
Quellen
Stand: September 2026

