Wenn du nur eine Stunde in Erlangen hast, verbring sie hier. Markt- und Schlossplatz sind der Mittelpunkt der barocken Neustadt: morgens Wochenmarkt, mittags Leute auf den Brunnenstufen, abends der Blick auf die beleuchtete Schlossfassade. Der Platz ist frei zugänglich, rund um die Uhr, und vom Hauptbahnhof bist du über die Hauptstraße in wenigen Minuten dort.
Ein Platz, zwei Namen
Angelegt wurde der Platz 1686, im selben Jahr, in dem Markgraf Christian Ernst die ersten Hugenotten in Erlangen aufnahm. Der Baumeister Johann Moritz Richter plante westlich des neuen Schlosses einen großen quadratischen Platz, die Grande Place, mit rund 91 mal 91 Metern. Er war das Zentrum der neuen Planstadt, um die herum die Straßen im rechten Winkel verlaufen.
1745 wurde der Platz in zwei Bereiche mit unterschiedlicher Funktion geteilt. Der westliche Teil ist seitdem der Marktplatz: Handel, Markt, Alltag. Der östliche Teil direkt vor dem Schloss ist der Schlossplatz, der eher repräsentativen und feierlichen Zwecken dient. Im Alltag gehen beide fließend ineinander über, und viele Erlanger sagen einfach „Marktplatz”, wenn sie die ganze Fläche meinen.
Die Gestaltung, die du heute siehst, ist jünger. Zwischen 1976 und 1985 bekam der Platz Bäume, Beleuchtung und ein neues Pflaster.
Was auf dem Platz steht
Der Paulibrunnen
Das auffälligste Objekt auf dem Marktplatz ist der Paulibrunnen. Er wurde 1889 errichtet, nach einem Entwurf von Friedrich Wanderer und ausgeführt vom Bildhauer Georg Leistner. Bezahlt hat ihn die Paulistiftung. Der Stil orientiert sich an der späten Renaissance.
Auf dem Brunnen stehen zwei Frauenfiguren in antiken Gewändern. Die Erlangia trägt Zeichen der heimischen Industrie und des Gewerbes, die Alma Mater Symbole der Wissenschaft. Das ist die Selbstbeschreibung der Stadt im späten 19. Jahrhundert, als Gewerbe und Universität nebeneinander wuchsen. Dazu kommen Reliefporträts der Markgrafen Christian Ernst und Alexander sowie des Prinzregenten Luitpold von Bayern.
Das Markgrafendenkmal
Auf dem Schlossplatz steht seit 1843 das Markgrafendenkmal. Es ehrt Markgraf Friedrich, der 1743 die Universität gründete. Den Entwurf lieferte der bayerische Hofbildhauer Ludwig Schwanthaler, gegossen hat Johann Baptist Stiglmaier. Hinter dem Denkmal erhebt sich das Markgrafenschloss, heute Sitz der Universitätsleitung.
Gedenktafeln
Wer genau hinschaut, findet mehrere Tafeln. Eine erinnert an die Bücherverbrennung, die 1933 auf diesem Platz stattfand. Am Haus Schloßplatz 3 erinnert eine Tafel an die Werkstatt von Erwin Moritz Reiniger, aus der später ein großer Teil der Erlanger Medizintechnik hervorging. Am Haus Am Marktplatz 4 ist eine Tafel für den Dichter August von Platen angebracht.
Die Gebäude rund um den Platz
An der Südseite des Marktplatzes steht das Palais Stutterheim, gebaut 1728. Von 1836 bis 1971 war es das Erlanger Rathaus. Heute beherbergt es das Kunstpalais mit wechselnden Ausstellungen und die Stadtbibliothek. Für einen Regentag ist das ein praktischer Anlaufpunkt direkt am Platz.
Am Schlossplatz liegt das Café Mengin, dessen Gründer von Hugenotten abstammen. Den Rest der Platzränder bilden die einheitlichen Fassaden der Neustadt, unten oft Geschäfte und Gastronomie. Die Ostseite schließt das Schloss ab, dahinter beginnt der Schlossgarten mit Orangerie und Hugenottenbrunnen.
Der Erlanger Wochenmarkt
Der Wochenmarkt ist der Hauptgrund, warum Einheimische täglich über den Platz gehen. Er findet von Montag bis Samstag statt. Kernzeit für alle Händler ist 9 bis 14 Uhr, erlaubt ist der Verkauf zwischen 7 und 20 Uhr. Der Schwerpunkt liegt auf dem Samstag.
Angeboten werden vor allem regionale Produkte:
- Obst und Gemüse
- Blumen und Pflanzen
- Fleisch, Wurst und Eier
- Fisch
- Käse und Feinkost
Zuständig ist das Liegenschaftsamt der Stadt Erlangen, Informationen zum Markt stehen unter erlangen.de/markt. Aktuelle Zeiten vorab beim Betreiber prüfen, vor allem rund um Feiertage und wenn ein Fest den Platz belegt.
Tipp: Wenn du einkaufen willst, komm vor 11 Uhr. Später sind manche Sorten weg, und gegen Mittag bauen die ersten Händler schon ab.
Feste und Märkte übers Jahr
Kaum ein Platz in der Stadt ist so oft Bühne wie dieser. Neben dem Wochenmarkt finden hier regelmäßig statt:
| Veranstaltung | Ungefähre Zeit im Jahr | Charakter |
|---|---|---|
| Lichtmessmarkt | Anfang Februar | Traditioneller Jahrmarkt |
| Faschingsfest | Fasching | Straßenfasching in der Innenstadt |
| Frühlingsfest | Frühjahr | Fahrgeschäfte und Buden |
| SchlossStrand | Sommer | Sommerlicher Treffpunkt vor dem Schloss |
| Augustmarkt | August | Jahrmarkt mit Ständen |
| Oktobertrubel | Oktober | Herbstlicher Rummel |
| Erlanger Waldweihnacht | Advent | Weihnachtsmarkt auf dem Schlossplatz |
Die genauen Termine ändern sich jedes Jahr. Eine Übersicht über das ganze Jahr findest du unter Veranstaltungen in Erlangen. Die Waldweihnacht hat zusätzlich eine eigene Seite zum Weihnachtsmarkt Erlangen.
Wichtig für die Planung: Während der großen Feste ist der Platz mit Buden und Fahrgeschäften belegt und deutlich voller als an normalen Tagen. Die Bergkirchweih dagegen findet nicht hier statt, sondern oben am Burgberg im Norden der Stadt.
Praktisches für den Besuch
Der Platz liegt in der Fußgängerzone und ist jederzeit zugänglich. Er ist weitgehend eben und gepflastert, mit Kinderwagen kommst du gut voran. Sitzgelegenheiten gibt es auf den Bänken unter den Bäumen und auf den Stufen rund um den Brunnen.
Anreise: Vom Hauptbahnhof gehst du über den Hugenottenplatz und die Hauptstraße. Mit dem Auto steuerst du eines der Innenstadt-Parkhäuser an, auf dem Platz selbst darf nicht geparkt werden. Mit dem Rad stellst du am besten am Rand der Fußgängerzone ab und gehst die letzten Meter.
Wer von hier aus weiter will, hat kurze Wege. Die Hugenottenkirche liegt am Hugenottenplatz in Richtung Bahnhof, die Neustädter Kirche ein paar Straßen nördlich. Eine Auswahl der wichtigsten Ziele der Stadt steht auf der Seite Sehenswürdigkeiten in Erlangen.
Ein Platz, der jeden Tag anders aussieht
Unter der Woche ist der Marktplatz am Vormittag ein ganz normaler Einkaufsort mit Gemüsekisten und Lieferwagen. Am Samstag ist er voll, an einem Sommerabend sitzen Studierende auf den Brunnenstufen, im Advent stehen die Buden der Waldweihnacht. Das Bemerkenswerte: Der Grundriss ist seit 1686 derselbe. Die Planer der Hugenottenstadt haben einen Platz gebaut, der bis heute genau das tut, wofür er gedacht war.
Quellen
Stand: August 2026

