Der Erlanger Brauereiweg ist ein Rundgang zu Hausfassaden, Hinterhöfen und Plätzen, an denen früher Bier gebraut wurde. Er kostet nichts, braucht keine Anmeldung und funktioniert bei jedem Wetter. An 19 Stationen hängen Schilder mit einem kurzen Text zur Geschichte der jeweiligen Braustätte, per QR-Code gibt es mehr dazu auf dem Smartphone. Wer sich für die alte Bierstadt interessiert, bekommt hier in zwei bis drei Stunden einen Eindruck, wie dicht Erlangen einmal mit Brauereien besetzt war.
Was hinter dem Weg steckt
Angelegt wurde der Brauereiweg 2005 zum 250. Jubiläum der Bergkirchweih. Grundlage war das im Jahr 2000 erschienene Buch „… ein Erlanger, bitte!“ von Jochen Buchelt, Hans-Diether Dörfler und Martin Schieber. 2014 bekam der Weg neue Schilder, 2016 kamen die QR-Codes dazu.
Die Stationen erzählen keine Heldengeschichte. Viele Brauereien bestanden nur ein paar Jahrzehnte, wechselten mehrmals den Besitzer oder gingen in Krisen unter. Gerade das macht den Weg interessant: Man sieht, wie aus kleinen Hausbrauereien große Exportbetriebe wurden und wie diese nach 1880, nach dem Ersten Weltkrieg und schließlich in den 1970er Jahren verschwanden. Den großen Bogen dazu erzählt die Seite Bierstadt Erlangen.
Alle Stationen im Überblick
| Nr. | Station | Adresse | Braubetrieb |
|---|---|---|---|
| 1 | „Brauzentrum“ der Altstadt, drei Brauereien | Martin-Luther-Platz 3-5 | vor 1700 bis 1911 |
| 2 | Brauerei Stahl | Pfarrstraße 14 | vor 1700 bis 1910 |
| 3 | Erste Erlanger Aktienbrauerei | Hauptstraße 103-105 | vor 1700 bis 1919 |
| 4 | Brauerei Hübner | Hauptstraße 110 | 1841 bis 1923 |
| 5 | Altstädter Kommunbrauhaus | Wöhrstraße 5 | 1710 bis 1813 |
| 6 | Brauerei und Mälzerei Steinbach | Hauptstraße 116 / Vierzigmannstraße 4 | seit 1653 |
| 7 | Brauerei Holzberger | Neue Straße 50 | 1787 bis 1899 |
| 8 | Brauerei Goldene Harfe | Theaterplatz 15 | 1814 bis 1899 |
| 9 | Brauerei Weller | Theaterplatz 16 | 1811 bis 1911, wieder seit 2011 |
| 10 | Brauerei Erich | Altstädter Kirchenplatz 6 | 1718 bis 1975 |
| 11 | Brauerei Ott | Martin-Luther-Platz 10 | 1706 bis 1918 |
| 12 | Brauerei Hertlein | Engelstraße 15 | 1813 bis 1890 |
| 13 | Brauerei Henninger-Reif | Hauptstraße 55-57 | vor 1699 bis 1974 |
| 14 | Brauerei Hartmann | Theaterstraße 8 | 1872 bis 1882 |
| 15 | Brauerei Gebrüder Reif | Untere Karlstraße 2-4 | 1690 bis 1906 |
| 16 | Hofbräu AG Bamberg und Erlangen | Bohlenplatz 6 | 1750 bis 1936 |
| 17 | Brauerei Kitzmann | Südliche Stadtmauerstraße 25 | 1712 bis 2018 |
| 18 | Brau- und Oeconomiehaus der Ritterakademie | Innere Brucker Straße 2-4 | 1713 bis 1741 |
| 19 | Klosterbräu / Klostermalz Frauenaurach | Brauhofgasse 10, Frauenaurach | seit dem 16. Jahrhundert, heute Mälzerei |
Die Route zu Fuß: in zwei Schleifen
Die Nummern folgen keinem kürzesten Weg. Bewährt hat sich, die Stationen in zwei Schleifen zu teilen.
Altstadt-Schleife (Stationen 1 bis 6, 10 und 11): Start am Martin-Luther-Platz. Hier lagen gleich mehrere Betriebe, am Haus Nr. 3 erinnert das Zeichen „NS1707“ mit Maischscheit und Malzschaufel an das Braurecht von Nikolaus Schad. Gegenüber, Nr. 10, braute die Brauerei Ott, die im Spitzenjahr 1876 rund 8.000 Hektoliter erreichte. Ein paar Schritte weiter am Altstädter Kirchenplatz stand die Erich Bräu, die zur größten Exportbrauerei der Stadt wurde. Heute liegt hinter den historischen Mauern das Sozialzentrum Dreycedern. Über Pfarrstraße und Hauptstraße geht es zur Steinbach Bräu, der einzigen Station dieser Schleife, an der noch gebraut wird. Die Wöhrstraße mit dem alten Kommunbrauhaus liegt nur wenige Minuten östlich.
Neustadt-Schleife (Stationen 7 bis 9 und 12 bis 18): Von der Altstadt über die Hauptstraße nach Süden. Am Theaterplatz stehen Goldene Harfe und Weller nebeneinander, die Harfenstraße hat ihren Namen von der Gaststätte. In der Hauptstraße 55-57 erinnert nur noch die Fassade an die Henninger-Reifbräu, lange das „Flaggschiff“ der Erlanger Brauwirtschaft, dahinter liegt heute die Einkaufspassage Altstadtmarkt. Weiter geht es über Theaterstraße und Untere Karlstraße zum Bohlenplatz und schließlich zur Südlichen Stadtmauerstraße, wo Kitzmann über 300 Jahre an derselben Stelle braute. Die Innere Brucker Straße mit der Ritterakademie liegt nahe am Bahnhof und passt gut als Schluss.
Station 19 liegt in Frauenaurach im Westen der Stadt. Die Mälzerei Klostermalz ging aus dem früheren Kloster hervor und ist heute die älteste Mälzerei Erlangens. Für den Abstecher bietet sich ein eigener Ausflug mit dem Rad oder Bus an.
Geschichten, an denen man stehen bleibt
Ein paar Stationen lohnen besonders das Lesen. Am Kommunbrauhaus in der Wöhrstraße konnten Altstädter Bürger ab 1710 gegen „Kesselgeld“ ihr eigenes Bier brauen, weil sich der Rat über zu dünnes und zu teures Bier der Brauereien beschwert hatte. Bis zu 18 Familien nutzten das Mitte des 18. Jahrhunderts.
Die Brauerei Hartmann in der Theaterstraße war die kleinste der Stadt und hing an einer Kaserne: Johann Hartmann begann zu brauen, als ein Jägerbataillon in Erlangen einquartiert wurde. Als die Soldaten 1877 in eine neue Kaserne zogen, war das Geschäft bald vorbei, 1882 schloss die Brauerei. Die Gaststätte im Haus gehört heute zu den beliebten Kneipen der Stadt.
Bei der Henninger-Reif steht ein Name, den viele aus Frankfurt kennen: Heinrich Henninger, der Namensgeber der Frankfurter Henninger Bräu, verkaufte 1861 den Erlanger Familienbetrieb. Und an der Station der Hofbräu AG am Bohlenplatz geht es um ein dunkles Kapitel: Das Unternehmen des jüdischen Großaktionärs Ignatz Nacher wurde 1934 „arisiert“.
Einkehren unterwegs
Der Weg führt an mehreren Häusern vorbei, die bis heute Gaststätten sind, auch wenn dort nicht mehr gebraut wird. Die Steinbach Bräu hat einen Biergarten und das Biermuseum, die Kitzmann Bräuschänke an der Südlichen Stadtmauerstraße serviert fränkische Küche, am Theaterplatz gibt es die Gaststätte Goldene Harfe, und Weller schenkt in einem Biergarten an der Neuen Straße aus. Aktuelle Zeiten vorab beim Betreiber prüfen, viele Wirtshäuser haben einen Ruhetag.
Eine Variante für Biergartenwetter: Wer die Altstadt-Schleife mit dem Aufstieg zum Burgberg verbindet, kommt in der Saison am Entla’s Keller vorbei, der von April bis Ende September geöffnet hat. Dort lassen sich auch Führungen durch die Felsenkeller buchen, in denen das Bier der Stationen einst lagerte. Mehr dazu und zu geführten Touren steht bei der Bierkultur in Erlangen.
Praktische Hinweise
Der Weg ist flach und verläuft über Gehwege und Plätze, mit Kinderwagen oder Rollstuhl gibt es keine nennenswerten Hindernisse. Die Schilder sind gut lesbar, für die QR-Codes brauchst du mobile Daten. Die Tourist-Information in der Goethestraße 21a hat die Brauereiweg-Broschüre mit Karte.
Wer mit dem Zug kommt, startet am Hauptbahnhof und erreicht die Altstadt in etwa 15 bis 20 Minuten zu Fuß. Weitere Spaziergänge mit festen Routen findest du unter Rundgänge durch Erlangen. Während der Bergkirchweih ist die Altstadt um den Martin-Luther-Platz abends sehr voll, der Brauereiweg geht sich dann am besten vormittags. Zur Einordnung des großen Festes lohnt ein Blick auf die Seite zur Erlanger Bergkirchweih, und wer weitere Ziele für den Tag sucht, findet sie unter Sehenswürdigkeiten in Erlangen.
Quellen
Stand: September 2026

