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Hopfen und Sandstein

Bierstadt Erlangen: Brauereien, Felsenkeller und Geschichte

Erlangen war Mitte des 19. Jahrhunderts die führende Bierexportstadt Bayerns, noch vor München und Kulmbach. Möglich machten das die Felsenkeller im Burgberg. Heute erzählen die Bergkirchweih, der Brauereiweg mit 19 Stationen, das Biermuseum der Steinbach Bräu und eine Handvoll kleiner Brauereien diese Geschichte bis heute weiter.

Blütezeit
etwa 1860 bis 1880
Braustätten damals
17 bis 18
Felsenkeller
16 im Burgberg, ältester von 1675
Brauereien heute
Entlas, Krapp, Oberle, Steinbach, Weller
Bekanntestes Fest
Bergkirchweih seit 1755
Illustration eines historischen Brauereihofs in Erlangen mit Holzfässern, Pferdefuhrwerk und dem bewaldeten Burgberg im Hintergrund
Illustration eines historischen Brauereihofs in Erlangen mit Holzfässern, Pferdefuhrwerk und dem bewaldeten Burgberg im HintergrundBlatt 02

So kommst du hin

HauptbahnhofStart1,5 km WegBierstadt ErlangenZiel
Zu Fuß
ca. 20 Min.
Mit dem Rad
ca. 6 Min.
Mehr dazu
Bus, Bahn und Parken

Erlangen wird heute als Universitäts- und Siemens-Stadt wahrgenommen. Um 1870 hätte man die Stadt anders beschrieben: als Bierstadt. Mitte des 19. Jahrhunderts stand Erlangen im bayerischen Bierexport an erster Stelle, vor München und Kulmbach, und Erlanger Bier stand in Restaurants des ganzen Kaiserreichs auf der Karte. Auf dieser Seite findest du, wie es dazu kam, was davon übrig ist und wo du die Bierstadt Erlangen heute erleben kannst.

Wie Erlangen zur Bierstadt wurde

Drei Dinge kamen zusammen. Erstens die Keller: Seit dem 17. Jahrhundert gruben Brauer Stollen in den Sandstein des Burgbergs. Der älteste ist von 1675 belegt, bis 1770 entstanden zwölf weitere, am Ende waren es 16, viele miteinander verbunden. Darin blieb Bier auch im Sommer kühl, ein entscheidender Vorteil in einer Zeit ohne Kühlmaschinen.

Zweitens der Zollverein von 1834, der Grenzen innerhalb Deutschlands für den Handel öffnete. Drittens die Eisenbahn: Erlangen lag an der Linie München-Nürnberg-Leipzig-Berlin, die ab 1851 durchgehend befahrbar war. Ab 1853 arbeiteten die ersten Erlanger Brauereien mit Dampfkraft.

Zwischen 1860 und 1880 erreichte das Braugewerbe seinen Höhepunkt. Je nach Zählung gab es 17 bis 18 Braustätten, die meisten mit lokaler Bedeutung. Vier große Exportbrauereien bestritten fast 95 Prozent der Ausfuhr. Ihr Bier ging nach Norddeutschland, in die Schweiz, nach Frankreich, Spanien, England, Skandinavien, nach Nord- und Südamerika und sogar nach Australien.

Ein Satz, den man in Erlangen gern zitiert: In den USA galt „Erlanger“ lange als Qualitätsbezeichnung für ein Bier. In der gehobenen Gastronomie des Kaiserreichs war es üblich, neben den einheimischen Sorten auch ein Erlanger Export anzubieten.

Warum die Blüte endete

Nach 1880 holten Kulmbach, Nürnberg und München auf. Den Rest besorgte die Technik: Mit der Kältemaschine von Carl von Linde verloren die Felsenkeller ihren Vorsprung. Die Brauerei Reif, die 1883/84 noch den größten Keller mit 861 Metern Länge anlegen ließ, kaufte schon Anfang der 1890er Jahre Kühlmaschinen. Der Erste Weltkrieg traf die Exportbrauereien hart, viele gaben in den Jahren um 1919 und 1923 auf und verkauften ihre Braurechte.

ZeitraumEreignis
1675ältester belegter Felsenkeller am Burgberg
bis 1770zwölf weitere Keller entstehen
1755Pfingstmarkt zieht auf den Burgberg, Beginn der Bergkirchweih
1834Deutscher Zollverein öffnet die Märkte
1851Bahnlinie München-Berlin durchgehend befahrbar
1860 bis 1880Höhepunkt mit 17 bis 18 Braustätten
1883/84Reif legt den größten Keller an, 861 Meter
1974/75Henninger-Reif und Erich Bräu schließen
1995Steinbach braut wieder in kleinem Sudwerk
2011Weller-Bier kommt 100 Jahre nach dem letzten Sud zurück
2018Kitzmann stellt nach über 300 Jahren den Braubetrieb ein

Das Ende kam in Etappen. Die Henninger-Reifbräu, lange das Flaggschiff der Erlanger Brauwirtschaft, und die Erich Bräu gehörten ab 1972 zur Patrizier-Bräu in Nürnberg, die beide Betriebe 1974 und 1975 schloss. Auf dem Henninger-Gelände an der Hauptstraße steht heute der Altstadtmarkt, nur die Fassade blieb. Kitzmann in der Südlichen Stadtmauerstraße braute danach noch über vier Jahrzehnte als letzte große Erlanger Brauerei, bis 2018. Die Marke gehört heute zur Kulmbacher Gruppe.

Brauereien und Bierorte heute

Die Bierstadt ist nicht verschwunden, sie ist kleiner geworden. Die Steinbach Bräu in der Vierzigmannstraße geht auf eine Poststation von 1653 zurück. 1923 verkaufte die Familie ihr Braukontingent und mälzte nur noch, 1995 setzte Christoph Gewalt, ein Urenkel von Carl Steinbach, wieder ein kleines Sudwerk in Betrieb. Im Biergarten gibt es das Storchenbier, benannt nach den Störchen, die jedes Jahr auf einem Kamin des Anwesens brüten. Auf dem alten Gerstenboden liegt das Biermuseum.

Weller ist eine Wiederbelebung: Die Brauerei am Theaterplatz braute 1911 zum vorerst letzten Mal. Genau 100 Jahre später fand sich ein Freundeskreis um einen Urenkel des letzten Brauherrn, seitdem gibt es wieder Weller-Bier, 2013 wurde die Brauerei Weller Erlangen eG gegründet.

Dazu kommen Entlas, Krapp und Oberle, deren Biere die Tourist-Information bei ihrer Verkostungstour als aktuelle Erlanger Brauereien ausschenkt. Der Entla’s Keller an der Straße An den Kellern gilt als ältester Keller am Burgberg und öffnet als Biergarten von April bis Ende September, nicht nur zur Bergkirchweih.

Wer lieber selbst losgeht, folgt dem Erlanger Brauereiweg: 19 Stationen führen zu ehemaligen und bestehenden Braustätten, jede mit Schild und QR-Code. Geführte Touren mit Verkostung und eine Route für einen Nachmittag findest du unter Bierkultur in Erlangen.

Feste mit Bier

Die Erlanger Bergkirchweih ist das Fest, das aus den Kellern entstanden ist: zwölf Tage um Pfingsten, rund eine Million Gäste, seit 1755. Sie ist aber nicht das einzige. Im Frühjahr steht das Frühlingsfest auf dem Schlossplatz, im Sommer feiern die Stadtteile von Kriegenbrunn bis Frauenaurach ihre Kirchweihen mit Kärwabaum, Blasmusik und Bierzelt. Alle Termine im Überblick stehen unter Bierfeste in Erlangen.

Praktisch: so planst du einen Biertag

Die meisten Bierorte liegen in der Altstadt und am Burgberg, also nördlich der Innenstadt. Vom Hauptbahnhof gehst du in rund 20 Minuten über die Hauptstraße bis zum Martin-Luther-Platz, dort beginnt das alte „Brauzentrum“ der Altstadt. Die Steinbach Bräu liegt ein paar Schritte weiter, der Burgberg mit seinen Kellern danach bergauf über die Bergstraße.

Für einen halben Tag reicht eine Kombination aus Brauereiweg-Abschnitt in der Altstadt, Biermuseum und einem Biergarten. Wer übernachtet, findet unter Übernachten in Erlangen Hinweise zu Lagen, von denen aus alles zu Fuß erreichbar ist. Führungen und Biergärten haben saisonale Zeiten, aktuelle Zeiten vorab beim Betreiber prüfen.

Ein kleiner Nebenweg für Neugierige: Zur Universität passt das Thema überraschend gut. Eine eigene Uni-Brauerei hatte Erlangen nie, Professoren durften aber steuerfreies Haustrunkbier brauen lassen, bis 1814 die Sonderrechte fielen. Heute braut der Lehrstuhl für Bioverfahrenstechnik am Röthelheimpark wieder Bier, für Forschung und Hausgebrauch.

Stand: September 2026

Häufige Fragen: Hopfen und Sandstein

Kurze Antworten auf das, was vor dem Besuch am häufigsten gefragt wird.

Warum heißt Erlangen Bierstadt?

Weil Erlangen um die Mitte des 19. Jahrhunderts im bayerischen Bierexport an erster Stelle stand, vor München und Kulmbach. Erlanger Bier ging nach Norddeutschland, ins europäische Ausland und bis nach Amerika und Australien. Grundlage waren die kühlen Felsenkeller im Burgberg.

Welche Brauereien gibt es heute in Erlangen?

In der Stadt brauen heute kleinere Betriebe, darunter Steinbach Bräu in der Altstadt, Weller, Entlas, Krapp und Oberle. Die großen Exportbrauereien von früher gibt es nicht mehr, die letzte große Braustätte, Kitzmann, schloss 2018.

Kann man eine Brauerei in Erlangen besichtigen?

Ja. Die Steinbach Bräu in der Vierzigmannstraße bietet Führungen durch ihr Biermuseum auf dem Gerstenboden an, für Gruppen nach Absprache. Am Entla's Keller lassen sich in der Saison außerdem historische Felsenkeller besichtigen.

Was sind die Erlanger Felsenkeller?

Stollen, die Brauer seit dem 17. Jahrhundert in den Sandstein des Burgbergs gruben, um Bier kühl zu lagern. Der älteste stammt von 1675, der größte misst 861 Meter. Über ihnen liegt heute das Gelände der Bergkirchweih.

Gibt es in Erlangen Bierführungen?

Die Tourist-Information bietet mehrere Themenführungen rund ums Bier an, etwa mit der Braumagd Emmy, dem Bierkutscher Schorsch oder als ProBierTour mit Verkostung. Einige laufen als öffentliche Termine, alle lassen sich als Gruppenführung buchen.

Wann lohnt ein Besuch der Bierstadt Erlangen?

Zur Bergkirchweih um Pfingsten ist am meisten los. Für Keller und Biergärten ist die Saison von April bis September am schönsten, die Kirchweihen in den Stadtteilen laufen von Juni bis Ende September. Führungen gibt es das ganze Jahr.