Die Erlanger Altstadt beginnt dort, wo die Hauptstraße hinter der Neustädter Kirche schmaler wird. Die Häuser bleiben barock, die Fassaden einheitlich, aber die Läden werden kleiner, die Kneipen zahlreicher, und plötzlich stehst du vor einem Kirchturm, der deutlich höher ist als alles in der Umgebung. Das ist der Martin-Luther-Platz, und um ihn herum dreht sich der alte Norden der Stadt.
Wer Fachwerk und krumme Gassen erwartet, wird enttäuscht. Wer eine Altstadt sucht, in der man abends gut sitzen kann, eher nicht.
Eine Altstadt, die jünger aussieht als sie ist
Erlangen wird 1002 erstmals in einer Urkunde erwähnt, 1398 erhob König Wenzel den Ort zur Stadt. Von diesem mittelalterlichen Erlangen ist fast nichts geblieben. Am 14. August 1706 brannte ein Großbrand fast die gesamte Altstadt nieder, stehen blieben nur wenige Häuser und ein Rest der Stadtmauer.
Der Wiederaufbau folgte dem Vorbild der Neustadt, die Markgraf Christian Ernst ab 1686 für die Hugenotten hatte anlegen lassen: gerade Straßenfluchten, gleich hohe Häuser, ordentliche Plätze. Bezahlt wurde er zu einem großen Teil mit Spenden aus Preußen. Erlanger Bürger zogen mit Sammelpatenten des preußischen Königs durch die Hohenzollern-Lande in Norddeutschland und kamen mit erstaunlich viel Geld zurück.
Altstadt und Neustadt blieben trotzdem lange getrennt. Die Neustadt hieß bis ins 19. Jahrhundert Christian-Erlang, erst 1812 wurden beide Städte zu einer vereinigt. Wer heute die Hauptstraße hinaufgeht, merkt den Übergang kaum, außer an der Atmosphäre.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1002 | erste urkundliche Erwähnung Erlangens |
| 1398 | Stadtrecht durch König Wenzel |
| 1686 | Gründung der Neustadt für die Hugenotten |
| 1706 | Stadtbrand am 14. August, fast die ganze Altstadt zerstört |
| 1709 bis 1721 | Neubau der Altstädter Dreifaltigkeitskirche |
| 1733/40 | Bau des Altstädter Rathauses |
| 1812 | Vereinigung von Altstadt und Neustadt |
| 1964 | Stadtmuseum zieht ins Altstädter Rathaus |
Martin-Luther-Platz und die Altstädter Kirche
Die evangelische Altstädter Dreifaltigkeitskirche steht am Martin-Luther-Platz 1 und ist das höchste Bauwerk der Altstadt. Ihr Westturm misst 55,5 Meter. An dieser Stelle stand schon im 13. Jahrhundert eine Marienkapelle, die 1288 belegt ist, im Dreißigjährigen Krieg abbrannte, 1655 neu gebaut und 1706 beim Stadtbrand erneut vollständig zerstört wurde.
Den Neubau plante der Bamberger Baumeister Wenzel Perner. Der Grundstein wurde 1709 gelegt, geweiht wurde die Kirche 1721, der Turm war 1726 fertig. Innen ist sie ein heller Saalbau mit Tonnengewölbe, Stuckdecke, hölzernen Emporen an drei Seiten und einem Kanzelaltar von 1720/21. Die Orgel mit 46 Registern hinter einem barocken Prospekt von etwa 1720 baute die Firma Walcker 1961.
Zusammen mit der Hugenottenkirche und der Neustädter Kirche gliedert sie den barocken Stadtplan. Eine kleine Kirchenrunde von Süd nach Nord ist in einer Stunde zu schaffen.
Noch ein Detail für Bierfreunde: Das Kirchweihfest dieser Kirche wurde am Sonntag nach Pfingsten gefeiert, an Trinitatis. Daraus ging die Erlanger Bergkirchweih hervor, die heute auf dem Burgberg gleich jenseits der Schwabach stattfindet.
Stadtmuseum im Altstädter Rathaus
Gegenüber der Kirche steht das Altstädter Rathaus, ein Barockbau von 1733/40. Seit 1964 sitzt darin das Stadtmuseum, ergänzt um ein benachbartes Bürgerhaus. Die Dauerausstellung erzählt die Geschichte der Region von der Vorgeschichte bis ins 20. Jahrhundert, mit Schwerpunkten auf der Barockzeit, den Hugenotten-Manufakturen, der Markgrafenresidenz und der Gründung der Universität.
| Tag | Öffnungszeit |
|---|---|
| Montag | geschlossen |
| Dienstag und Mittwoch | 9 bis 17 Uhr |
| Donnerstag | 9 bis 20 Uhr, ab 17 Uhr Eintritt frei |
| Freitag | 9 bis 17 Uhr |
| Samstag, Sonntag, Feiertage | 11 bis 17 Uhr |
Für die Dauerausstellung reichen eineinhalb bis zwei Stunden. Wer am Donnerstag in der Stadt ist, legt den Besuch auf den Abend und spart den Eintritt. Aktuelle Zeiten vorab beim Betreiber prüfen, die Infos stehen auf der Seite des Stadtmuseums Erlangen.
Läden, Kneipen und Restaurants
Nördlich der Fußgängerzone wird die Hauptstraße zur Ausgehmeile. Hier liegen die meisten Kneipen der Stadt, dazu Restaurants von fränkisch bis international und kleine, inhabergeführte Läden. Unter der Woche prägen Studierende das Bild, am Wochenende kommen Gäste aus dem Umland dazu.
Ein paar Schritte abseits liegt die Schiffstraße, eine schmale Gasse zwischen Altstädter Kirchenplatz und Schlossplatz mit Hinterhöfen, Cafés, kleinen Ateliers und Bars, in denen man ein Glas Wein bekommt. Für einen Bummel bei Tag ist sie schöner als die Hauptstraße, abends eher ruhiger.
Wer zum Einkaufen kommt, findet die großen Ketten weiter südlich in der Nürnberger Straße und in den Arcaden. Die Altstadt ist der Teil für Dinge, die man nicht gesucht hat. Einen Überblick über alle Einkaufsviertel bietet die Seite Einkaufen in Erlangen.
Altstadt im Jahreslauf
Im Advent verwandelt sich der Altstädter Kirchenplatz in den kleinsten der drei Weihnachtsmärkte der Stadt. Er ist werktags erst ab dem Nachmittag geöffnet und deutlich ruhiger als die Waldweihnacht auf dem Schlossplatz. Alle drei Märkte stellt die Seite zum Weihnachtsmarkt in Erlangen vor.
Zu Pfingsten wird es dagegen laut. Die Altstadt ist dann der Weg zum Berg, und durch die Hauptstraße ziehen in den zwölf Tagen der Bergkirchweih abends Tausende Richtung Schwabach. Wer in der Altstadt wohnt oder übernachtet, hat es nicht weit, aber auch keine ruhigen Nächte. Unterkünfte nach Stadtteilen stehen unter Übernachten in Erlangen.
So kommst du hin
Vom Hauptbahnhof gehst du über den Hugenottenplatz in die Hauptstraße und folgst ihr nach Norden, vorbei am Marktplatz und an der Neustädter Kirche. Nach zehn bis fünfzehn Minuten bist du am Martin-Luther-Platz. Mit dem Auto parkst du am besten am Rand: Der kleine Parkplatz Altstadt Ost am Fuchsengarten hat nur rund 60 Plätze, die Parkhäuser der Innenstadt liegen weiter südlich.
Wer die Altstadt in einen größeren Spaziergang einbauen will, findet fertige Routen mit Stationen bei den Rundgängen durch Erlangen. Und wer nach dem Museum noch Kraft hat: Über die Schwabach sind es nur wenige Minuten bis zu den Kellern am Burgberg, wo im Sommer die Biergärten öffnen.
Quellen
Stand: August 2026

