Bierkultur in Erlangen heißt nicht nur Bergkirchweih. Die Stadt war im 19. Jahrhundert Bayerns wichtigster Bierexporteur, und davon sind Keller, Brauhäuser, Geschichten und ein paar kleine Brauereien geblieben, die man ganzjährig besuchen kann. Wer das mit einer Führung erleben will, hat die Wahl zwischen Verkostungstour, Kostümführung und Kellerbesuch. Wer lieber allein losgeht, findet unten eine Route für einen Nachmittag.
Geführte Bierführungen im Vergleich
Die Tourist-Information Erlangen hat mehrere Themenführungen rund ums Bier im Programm. Alle lassen sich als Gruppenführung für bis zu 20 Personen buchen, einige laufen auch als öffentliche Termine, bei denen man sich einzeln anschließt. Während der Bergkirchweih finden die meisten nicht statt.
| Führung | Dauer | Treffpunkt | Gruppenpreis | Öffentlicher Termin | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| ProBierTour | 2 Std. | Altstädter Kirchenplatz | 155 Euro plus 15 Euro Verpflegung p. P. | 35 Euro p. P., mit Anmeldung | Verkostung von fünf Erlanger Bieren, Bergkirchweihbrezel, Krug zum Mitnehmen, ab 16 Jahren |
| 0-Promille-Tour | 1,5 Std. | Altstädter Kirchenplatz | 130 Euro | als Gruppenführung | gleicher Inhalt ohne Alkohol |
| Braumagd Emmy | 1,5 Std. | vor der Steinbach Bräu, Vierzigmannstraße 4 | 115 Euro | 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, ohne Anmeldung | Kostümführung, Oktober bis März |
| Bierkutscher Schorsch | 2 Std. | Markgrafendenkmal am Schlossplatz | 155 Euro plus 12 Euro Verpflegung p. P. | einzelne Termine, zuletzt 22 Euro p. P. | Kostümführung mit Geschmackstest, April bis September, ab 16 Jahren |
| Altstadtbier, Kellerhäuschen, Bergkirchweih | 1,5 Std. | Martin-Luther-Platz, Eingang Stadtmuseum | 95 Euro | einzelne Termine, zuletzt 9,50 Euro | Spaziergang von der Altstadt zu den Kellern |
| Felsenkeller am Entla’s Keller | 1 Std. | Entla’s Keller, An den Kellern 5-7 | 98 Euro ab 15 Personen | freitags und sonntags | nur April bis September, mit Biergartenbesuch |
| Biermuseum Steinbach Bräu | nach Absprache | Vierzigmannstraße 4 | 70 Euro für 10 bis 30 Personen | nein | Beginn meist 17 oder 18 Uhr |
Preise und Termine ändern sich, aktuelle Zeiten vorab beim Betreiber prüfen. Gebucht werden die Stadtführungen bei der Tourist-Information in der Goethestraße 21a, Telefon 09131 89510, das Biermuseum direkt bei der Steinbach Bräu und die Kellerführung beim Entla’s Keller.
Welche Führung zu wem passt
Für einen ersten Eindruck mit Geschmack ist die ProBierTour die runde Wahl. Sie erzählt, wie Erlangen zur Biermetropole wurde, welche Krisen die Bierkultur überstand und warum es seit einigen Jahren wieder neue Brauereien gibt. Verkostet werden Biere von Entlas, Krapp, Oberle, Steinbach und Weller, dazu gibt es eine Bergkirchweihbrezel der Traditionsbäckerei Gulden. Am Ende nimmt jeder den ProBier-Krug mit.
Wer lieber zuhört als probiert, ist bei den Kostümführungen richtig. Braumagd Emmy erzählt im Winterhalbjahr aus dem Arbeitsalltag in einer Brauerei des 19. Jahrhunderts, als bis zu 18 Brauereien das Stadtbild prägten. Bierkutscher Schorsch übernimmt im Sommer, mit Anekdoten aus der goldenen Bierzeit um 1870, als Pferdefuhrwerke das Bier durch die Stadt fuhren. Die 0-Promille-Tour ist für Gruppen gedacht, in denen jemand fährt, schwanger ist oder einfach nicht trinkt.
Das Eindrucksvollste ist der Gang unter die Erde. Seit dem 17. Jahrhundert gruben Erlanger Brauer ein verzweigtes Netz aus Gängen und hohen Kavernen in den Burgberg. Zwei dieser Keller können besichtigt werden: der Henninger Keller mit seinen weiten Hallen und der Entla’s Keller, der als ältester am Berg gilt. Die einstündige Führung findet nur in der Saison statt und endet im Biergarten.
Bierkultur auf eigene Faust: eine Nachmittagsroute
Ohne Führung funktioniert der Nachmittag genauso gut, wenn du die Stationen in sinnvoller Reihenfolge verbindest. Die Route ist rund drei Kilometer lang und mit Pausen ein halber Tag.
- Hauptbahnhof bis Martin-Luther-Platz, etwa 15 bis 20 Minuten über die Hauptstraße. Unterwegs lohnt der Blick auf die Fassade Hauptstraße 55-57, das letzte Stück der einst größten Erlanger Brauerei Henninger-Reif.
- Martin-Luther-Platz und Altstädter Kirchenplatz. Hier lag das „Brauzentrum“ der Altstadt. Die Schilder des Erlanger Brauereiwegs erklären, wer wo gebraut hat.
- Steinbach Bräu, Vierzigmannstraße 4. Biergarten, Storchenbier und, für Gruppen nach Absprache, das Biermuseum auf dem Gerstenboden.
- Aufstieg zum Burgberg über die Bergstraße. In der Saison von April bis Ende September ist der Entla’s Keller als Biergarten geöffnet, außerhalb der Bergkirchweih herrscht hier oben Ruhe unter den Kastanien.
- Rückweg über den Theaterplatz, wo Goldene Harfe und die alte Weller-Brauerei standen, und weiter zur Südlichen Stadtmauerstraße, wo die Kitzmann Bräuschänke fränkisch kocht.
Wer die Route im Winter geht, ersetzt den Biergarten auf dem Berg durch einen Wirtshausbesuch in der Altstadt. Die Keller schließen nach dem September, die Gaststätten in der Stadt nicht.
Die richtige Jahreszeit
Erlangens Bierkultur hat einen Kalender, und wer ihn kennt, plant besser. Von April bis Ende September ist Kellersaison: Der Entla’s Keller hat geöffnet, die Felsenkeller-Führungen laufen, und Bierkutscher Schorsch ist mit seinen Gruppen unterwegs. Mitten in diese Zeit fällt die Bergkirchweih um Pfingsten. In diesen zwölf Tagen pausieren die meisten Themenführungen, dafür ist der Burgberg das Ziel schlechthin.
Im Sommer kommen die Kirchweihen in den Stadtteilen dazu, von Kriegenbrunn im Juni bis Frauenaurach Ende September, jede mit Kärwabaum und Bierausschank. Einen Überblick gibt die Seite Bierfeste in Erlangen.
Von Oktober bis März ist Wirtshauszeit. Die Keller am Berg sind zu, die Braumagd Emmy übernimmt die Kostümführungen, und eine Bierprobe findet eher drinnen statt als im Biergarten. Das Biermuseum der Steinbach Bräu ist für Gruppen das ganze Jahr nach Absprache zugänglich, die ProBierTour und die 0-Promille-Tour lassen sich ebenfalls ganzjährig buchen.
Für Firmengruppen und Freundesrunden lässt sich die ProBierTour gut mit einem anschließenden Abendessen in einem Wirtshaus der Altstadt verbinden. Familien mit Kindern unter 16 nehmen besser den Bergkirchweih-Spaziergang oder die Braumagd Emmy, beide ohne Verkostung.
Was du über Erlanger Bier wissen solltest
Die großen Namen der Exportzeit sind verschwunden: Niklas schon 1919, Henninger-Reif und Erich in den 1970er Jahren. Kitzmann braute als letzter großer Betrieb bis 2018. Dass heute wieder fünf Erlanger Brauereien auf der ProBierTour stehen, ist eine Entwicklung der letzten Jahrzehnte: Steinbach braut seit 1995 wieder, Weller seit 2011.
Ein Nebenaspekt, den kaum jemand erwartet: In Erlangen braut sogar die Universität. Der Lehrstuhl für Bioverfahrenstechnik am Campus Röthelheimpark stellt Bier für Forschung und Hausgebrauch her. Kaufen kann man es nicht, aber es passt gut zur Stadt, in der Professoren schon im 18. Jahrhundert steuerfreies Haustrunkbier brauen lassen durften.
Die Geschichte im Zusammenhang steht auf der Seite Bierstadt Erlangen. Wer seinen Besuch auf das große Fest legt, plant mit der Seite zur Erlanger Bergkirchweih. Weitere Stadtführungen ohne Bierthema findest du unter Stadtführung Erlangen, passende Unterkünfte in Laufweite der Altstadt unter Übernachten in Erlangen.
Quellen
Stand: September 2026

